Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Abteilung Frauenheilkunde

Teilnahme am Mammographie-Screening verbessert Brustkrebs-Früherkennung

Interdisziplinäres Brustzentrum am UKJ bietet Frauen mit Brustveränderungen qualitätsgesicherte Versorgung

camararunnebaumkochAm 8. Mai 2007 machte in Pößneck ein Fahrzeug Station, das - wenn auch nur entfernt - an die Röntgenreihenzüge früherer Jahrzehnte erinnerte. Die Ankunft des "Mammobils", einer mobilen Untersuchungsstation, in der Kleinstadt im Saale-Orla-Kreis, bildete den Auftakt des Mammographie-Screenings in Thüringen. Das Programm zur Früherkennung von Brustkrebs durch regelmäßige Mammographie basiert auf einem Beschluss des Deutschen Bundestages vom Juni 2002 und wird in den kommenden Monaten auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt. Am 26. Oktober hat in der Radiologischen Praxis von Dr. Susanne Wurdinger am Ernst-Abbe-Platz auch das Mammographie-Screening - die Röntgen-Reihenuntersuchung der Brust - für Jena begonnen. Dr. Wurdinger ist gleichzeitig "Programmverantwortliche Ärztin" einer Thüringer "Screening-Einheit", die den Süden und den Osten des Freistaates umfasst.

"Das Angebot wendet sich an alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, eine Altersgruppe, die besonders häufig von Brustkrebs betroffen ist", sagt Dr. Ines Koch vom Interdisziplinären Brustzentrum des Universitätsklinikums Jena. "Studien haben gezeigt, dass die Sterblichkeit an Brustkrebs deutlich gesenkt werden kann, wenn diese Frauen am Mammographie-Screening teilnehmen." Die Betreffenden werden alle zwei Jahre schriftlich zur Reihenuntersuchung eingeladen, mit Ausnahme von bereits in ärztlicher Behandlung befindlichen Brustkrebs-Patientinnen oder Frauen mit einem erblich bedingten erhöhten Brustkrebsrisiko, die schon in andere Programme eingebunden sind.

Teilnahme am Screening ist allen Frauen sehr zu empfehlen

Das Ziel der qualitätsgesicherten Reihenuntersuchung ist es, Brustkrebs im Frühstadium unter 20 mm Durchmesser zu finden. "Denn bei früh erkannten Karzinomen verbessern sich die Heilungschancen und es kann häufiger Brust erhaltend und ästhetisch optimal operiert werden. Außerdem muss nicht so umfangreich nachbehandelt werden, eine Chemotherapie ist dann häufiger nicht notwendig", erläutert der Geschäftsführende Direktor der Universitäts-Frauenklinik Jena, Prof. Dr. Ingo Runnebaum. "Die Teilnahme ist freiwillig, sie ist aber allen eingeladenen Frauen sehr zu empfehlen. Ich hoffe, dass mehr als zwei Drittel der Thüringerinnen teilnehmen werden." In der Screening-Region, die von Frau Dr. Wurdinger betreut wird, erhalten im Verlauf von zwei Jahren ca. 192.000 Frauen eine Einladung zur Mammographie. Etwa sieben Prozent der Untersuchten müssen weiter abgeklärt werden. Bei mindestens jeder 200. Frau muss mit einem - in der Regel heilbaren - Brustkrebs gerechnet werden, so die Jenaer Experten.
Durchgeführt werden die kostenlosen Vorsorge-Untersuchungen im "Mammobil" oder in ausgewählten Praxen, die sich auf Röntgenuntersuchungen der Brust spezialisiert haben und von speziell geschulten Ärzten geleitet werden. "Die Aufnahmen werden von zwei erfahrenen Ärzten, die jährlich mindestens 5.000 Mammographien befunden, begutachtet", erläutert Dr. Koch. "Stimmt der Befund der beiden unabhängig voneinander urteilenden Ärzte nicht überein, muss dem grundsätzlich nachgegangen werden. Im zugeordneten Referenzzentrum steht jederzeit ein zusätzlicher dritter Arzt zur Verfügung." Ist der Befund auffällig, muss er weiter abgeklärt werden. Zunächst mittels Sonographie und, falls erforderlich, mittels histologischer, also feingeweblicher Untersuchung. "Dabei kann es sich um bösartige aber auch um scheinbar gutartige Befunde wie atypische duktale Hyperplasien, Papillomatosen oder Papillome handeln, die abgeklärt werden müssen, um jedes Risiko auszuschließen. Besprochen werden die Befunde in den wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Konferenzen in der Praxis von Dr. Wurdinger", sagt Dr. Ines Koch. "An diesen Konferenzen nehmen Radiologen, Pathologen und Frauenärzte des Brustzentrums Jena teil. Experten aus anderen Kliniken können via Telemedizin zugeschaltet werden."

Interdisziplinäres Brustzentrum des UKJ erfüllt strengste Qualitätskriterien

Patientinnen mit verdächtigen Gewebebefunden werden anschließend vom Frauenarzt ihrer Wahl weiterbehandelt. "Für Patienten aus Jena und Umgebung steht dafür selbstverständlich das Interdisziplinäre Brustzentrum zur Verfügung, das die strengen Qualitätskriterien der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) erfüllt. Der Leiter des Zentrums, Prof. Runnebaum, und seine ärztlichen Kollegen und Mitarbeiter haben an den vorgeschriebenen Mammographie-Screening-Kursen teilgenommen. "Für die Teilnehmerinnen am Screening halten wir spezielle Sprechstundentermine frei, um sie unmittelbar nach Erhalt des Befundes zu beraten und um die weitere Behandlung ohne unnötigen Zeitverlust einzuleiten. Das Interdisziplinäre Brustzentrum Jena verfügt über alle weitergehenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten und garantiert die bestmögliche und qualitätsgesicherte Versorgung", sagt Prof. Ingo Runnebaum und verweist darauf, dass die von dem Befund zumeist überraschten Frauen nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch betreut werden: "Dafür steht im Team des Interdisziplinären Brustzentrums mit Christina Brix eine erfahrene Psychologin bereit."
Die Teilnahme an der Reihenuntersuchung beugt dem Krebs nicht vor, die Sterblichkeit kann für die betroffenen Frauen der entsprechenden Altersgruppe aber um bis zu 35 Prozent gesenkt werden. Allerdings, so Dr. Koch, nehmen nach den bisherigen Erfahrungen in den verschiedenen Bundesländern nur zwischen 30 und 60 Prozent der Frauen die Möglichkeit dieser Mammographie-Reihenuntersuchung wahr. "Das ist zuwenig, zumal die häufig anzutreffende Furcht vor einer angeblich zu hohen Strahlenbelastung der Brust unbegründet ist. Das Screening unterliegt strengsten Qualitätskriterien und die Strahlenbelastung ist durch den Einsatz modernster Technik und angesichts eines zweijährigen Screening-Intervalls sehr gering. Frauen, die erst kurz vorher eine Mammographie erhalten haben, werden in der Einladung gebeten, dieses mitzuteilen, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden", erläutert sie.
Eigens zur weiteren Verbesserung der Betreuung der Frauen aus diesem Mammographie-Untersuchungsprogramm informierten sich Prof. Runnebaum und Dr. Koch am Referenzzentrum in München über die Erfahrungen des Bayerischen Screeningprogramms.

Früherkennungs- und Betreuungsprogramme miteinander verzahnen

"Beim Mammographie-Screening handelt es sich um ein qualitätsgesichertes Früherkennungsprogramm für Brustkrebs", sagt Prof. Runnebaum. "Bedauerlich ist allerdings, dass es keine offizielle Verzahnung zwischen den 160 zertifizierten deutschen Brustzentren, zu denen auch unser Jenaer gehört, mit diesem wichtigen Screening-Programm gibt. Für die betroffenen Frauen engagieren wir uns als Partner der Screening-Ärzte daher besonders intensiv. Es gilt schließlich, Leben zu retten." Für die Vernetzung der drei großen Qualitätsinitiativen beim Brustkrebs, DMP, Screening und Brustzentren, setzt sich auch eine vor kurzem gebildete Arbeitsgemeinschaft der DKG/DGS-zertifizierten Zentren ein, an der das IBZ Jena als Gründungsmitglied beteiligt ist.
Bevor die Politik Lösungen erarbeitet, hat das Team des Jenaer Brustzentrums durch reservierte Sprechzeiten und wöchentliche Konferenzen mit den verantwortlichen Screening-Ärzten eine für die betroffenen Frauen optimale Lösung gefunden. mv

 

Oberärzte im "Interdisziplinären Brustzentrum"  der Abteilung Frauenheilkunde des UKJ sind:

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    camara                                                                                              

OA. Oumar Camara                                                                                 OÄ. Ines Koch